sing and sign

                                                                                                                                                                                               gut

gesten_ebenen

Licht

fertig

 

Hier finden Sie die Präsentation des ersten Programmes der Reihe „sing and sign“ mit dem Namen:

„Bach- mit den Augen hören“

PDF Bach Präsi

„Die Gebärdensprache ist kein primitiver Behelf, wie viele glauben, sondern eine strukturierte, differenzierte, feinste intellektuelle wie emotionale Nuancen vermittelnde Ausdrucksform, der Lautsprache ebenbürtig, ja in mancher Hinsicht überlegen, „eine Sprache, die sich für Vorträge ebenso gut eignet wie für die Liebe“.

über „Stumme Stimmen“ von Oliver Sacks

Hintergrund:

Neben meinem Wirken als Sängerin leite ich seit sechs Jahren Kurse, Workshops und Seminare zur Babyzeichensprache, welche auf der Deutschen Gebärdensprache (DGS) beruht.

http://www.babyzeichensprache.com/zwergensprache/haupt.php

Neben meinem Wirken als Sängerin leite ich seit Jahren Kurse, Workshops und Seminare zur Babyzeichensprache, welche auf der Deutschen Gebärdensprache (DGS) beruht und die mich schon immer Aufgrund ihrer Aussagekraft und Schönheit fasziniert hat. Wenn ich in meinen Kursen Lieder mit Gebärden begleitet singe, spüre ich eine Art natürliche Einheit von Musik und Bewegung, die im Kunstgesang ja weitestgehend unterdrückt wird. So beschloss ich, beide „Berufungen“ zu verbinden und ein Programm zu entwickeln, in welchem gesungen und simultan dazu gebärdet wird. Der Gasang wird durch die Verbildlichung dreidimensional. Das ist für mich Befreiung und Herausforderung zugleich. Denn Hörgeschädigte sind als Minderheit von vielen kulturellen Veranstaltungen ausgeschlossen, da diese oft nicht barrierefrei sind. Das wird in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dagegen will ich mithilfe des Programmes etwas tun, um neben der Aufmerksamkeit für dieses Thema der Exklusion entgegenzuwirken und Perspektivenwechsel zu ermöglichen.

Wissenswertes:

Die natürlichen Gesten machen die Bildsprache sichtbar und verstärken die emotionale Aussage. Worte allein haben Kraft, Musik verstärkt diesen Effekt, kommen dann noch die entsprechenden, wunderbar ästhetischen, Gebärden hinzu wird Musik plötzlich dreidimensional, was kraftvoller und intensiver nicht sein kann.

Gebärdensprache ist genau wie Musik eine Sprache des Gefühls, da beide durch überoptimale Darstellung und überhöhte Wiedergabe dort, wo die Worte fehlen, verdeutlichen was wir ausdrücken wollen. Und die Sprache des Gefühls wird von Hörenden und Hörgeschädigten gleichermaßen verstanden, was das Gemeinschaftsgefühl fördert, genau wie das gemeinsame Erleben eines solchen Konzertes. So möchte ich nicht nur zwischen Komponist und Publikum vermitteln, sondern auch zwischen beiden Welten eine Verbindung schaffen.

  •  Hörgeschädigten Menschen möchte ich Musik und Text der aufgeführten Werke zugänglich machen, indem ich parallel zum Gesang Gebärden nutze und damit Musik etwas sichtbar mache. Da Gebärdensprache (DGS) eine andere Grammatik als Lautsprache hat, nutze ich beim Singen lautsprachbegleitende-und ersetzende Gebärden (LBG / LEG). Damit der Konzertbesuch barrierefrei erlebbar wird, werden die Texte eingeblendet oder sind im Programm abgedruckt.
  • Hörende Menschen erleben durch die Verbindung der akustischen und visuellen Ebene eine Art räumliche Darstellung der Musik in welcher Worte und Emotionen sichtbar werden. Worte allein haben Kraft, Musik verstärkt diese Wirkung. Kommen die wunderbar ästhetischen Gebärden hinzu, ist maximale Intensität erreicht. Außerdem können sie eine Sprache, die sie durch unbewusste sprachbegleitende Gestik teilweise selbst sprechen, besser kennen lernen und einen Perspektivwechsel wagen.

 

VON DER GESTIK ÜBER DIE LAUTSPRACHE ZUR MUSIK UND ZURÜCK

Die Gebärden der DGS (für Hörgeschädigte entwickelt) sind der natürlichen Gestik entlehnt, sie liegen also buchstäblich auf der Hand.

Forscher gehen davon aus, dass das menschliche Sprachsystem sich im Laufe der Evolution aus der gestischen Kommunikation entwickelt hat. Die Lautsprache setzte sich durch, damit die Hände frei wurden und die Gesten wurden zurück gedrängt. Doch auch heute noch verknüpfen wir an die 90 % unserer verbalen Äußerungen mit mindestens einer Geste. Sie sind Teil der Sprache, ergänzen diese zu einem Gesamtbild, helfen die passenden Worte zu finden, und sie werden intensiver je schwieriger die Dinge zu erklären sind als auch je mehr wir emotional engagiert sind. Denn Gesten aktivieren die entsprechenden Sprachareale im Gehirn. Hirnforscher gehen von einer engen Verknüpfung von Sprach- und Bewegungszentrum und damit einem engen Zusammenhang zwischen Hand-und Mundmotorik aus. So nutzen auch Blinde untereinander ähnliche Gesten wie Sehende. Zum Gestikulieren ist also kein Vorbild oder Beobachter nötig, es gehört untrennbar mit der Sprache zusammen.

Musik ist wiederum aus der Lautsprache entstanden, vermuten Wissenschaftler. Die Musik, zuerst der Gesang, imitiert die Emotionen, die in der Sprachmelodie stecken. Es gibt zweifelsfrei eine tiefreichende Verbindung zwischen den beiden für den Menschen charakteristischen Fähigkeiten Musik und Sprache. Sie haben beide ihre Wurzeln in urtümlichen, nonverbalen Lauten, die Gefühle ausdrückten. Diese Gemeinsamkeit schlägt sich auch im Gehirn nieder. So werden Musik und Sprache häufig in den gleichen Regionen verarbeitet, das menschliche Gehirn scheint keinen wesentlichen Unterschied zwischen musikalischer und sprachlicher Information zu machen.

Auch Musik und Tanz waren ursprünglich untrennbar verbunden.Der Hang, sich zu Musik zu bewegen, ist auch heute über den gesamten Globus verbreitet. Und die Beschäftigung mit Tönen hinterlässt im Hirn besonders dann tiefe Spuren, wenn die Finger durch die Verbindung mit der Motorik mit ins Spiel kommen, so wie bei Instrumentalisten.

Damit schließt sich der Kreis. Gestik, Mimik, Sprachmelodie und Musik sind alles Formen der nonverbalen Verständigung und des emotionalen Ausdrucks. Alle sind miteinander verbunden und gehören zusammen. Und die emotionalen Ausdrücke der Musik sind universell, so wie Gesichtsausdrücke. Wissenschaftliche Studien belegen außerdem, dass die Stimme eines Menschen mit der gleichen Intensität wie sein Gesicht wahrgenommen wird. So ist es nicht erstaunlich, dass nur ein verschwindend geringer Teil der wörtlichen Rede von den tatsächlichen Inhalten der Worte abhängig ist. Größeren Wert legen die Zuhörer auf die Körpersprache und Stimme der Redner. Auf der Grundlage einer langen Versuchsreihe entwickelte ein Psychologe eine überraschende Verhältnismäßigkeit: Innerhalb einer Rede werden 55 % Körpersprache, Mimik, Gestik; 38 % Stimmlage, Tonfall; und nur 7 % der faktischen Inhalte vom Zuhörer wahrgenommen und ausgewertet.

Credits © 2018 Susanne Haupt Sopran . Powered by WordPress. Theme by Viva Themes